Unterwegs für das Leben

 "Unterwegs für das Leben" ist eine Bewegung, getragen von Frauen aus unterschiedlichen Kirchen und Konfessionen, die über konfessionelle und parteipolitische Grenzen hinweg für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eintreten.

Wir sehen die ursächlichen Zusammenhänge zwischen unserem eigenen Wohlergehen und der Ausbeutung und Zerstörung unserer Erde. Wir wollen die Verantwortung für das Über-Leben kommender Generationen nicht allein den Experten von Politik und Wirtschaft überlassen. Wir sind willens, unsere Zeit, unseren Verstand und unsere Fantasie für eine für alle Menschen bewohnbare Erde einzusetzen.

In einer Zeit tief greifender Veränderungen in Europa und allen Kontinenten, angesichts der Erwartungen und Hoffnungen von Menschen in Hunger- Kriegs- und Krisengebieten, sowie unter dem Eindruck zunehmender Gewalt in immer neuen Formen, sind wir dennoch zuversichtlich, dass Schritte der Versöhnung und Wege zum Frieden zwischen Menschen und mit der Natur getan werden können.

Wir machen uns gemeinsam auf den Weg von Ort zu Ort, um uns zu informieren und Gespräche zu führen mit Menschen in ihrem Alltag und mit Menschen, die besondere Verantwortung in Politik und Gesellschaft haben. Tägliche Besinnungen und Gottesdienste auf unseren Wegen geben uns Orientierung und Mut, nicht vor Sachzwängen zurückzuschrecken, sondern eigene Kompetenz zu gewinnen und sie einzubringen.

Als Frauen ohne besonderes Mandat sind wir 1983 zu Fuß durch ganz Baden nach Genf gegangen, wo wir den Verhandlungspartnern der Abrüstungskonferenz einen Brief mit 46000 Unterschriften übergaben und ihnen die Sorgen der Menschen über ein drohendes Scheitern der Verhandlungen vortrugen. Aufgrund hierbei gewonnener Erfahrungen sind wir – Frauen vor allem aus Baden und Hessen – seitdem Jahr um Jahr viele Wege gegangen.
Die Fragen und Einsichten aus zahllosen Begegnungen unterwegs mit Menschen

  • aus vielen Gemeinden und
  • alternativen Projekten
  • mit Wissenschaftlern und Kraftwerksbetreibern
  • mit Vertretern der Bundeswehr, Rüstungsexperten und -produzenten

haben wir eingebracht in unsere jährlichen Bonner und nun Berliner Gespräche mit Abgeordneten des Bundestages und Vertretern/Vertreterinnen der Bundesministerien.

Wir sind davon überzeugt, dass notwendige politische Entscheidungen von einer breiten Öffentlichkeit getragen und umgesetzt werden müssen. Im Bemühen um die Bewältigung der uns bedrängenden Probleme der Globalisierung kann auf Fantasie und kritische Begleitung durch basisnahe Gruppen und Bewegungen nicht verzichtet werden.

Wir Frauen UNTERWEGS FÜR DAS LEBEN zählen uns dazu.

Um das Auseinanderdriften von Arm und Reich zu verhindern, um Gewalt zu überwinden und um die Lebensgrundlage für alle Menschen und die ganze Schöpfung zu erhalten, bedarf es umfassender Veränderung im menschlichen Verhalten und einer an diesem Ziel orientierten Politik. Neue Wege müssen gefunden und gegangen werden.
 
UNTERWEGS FÜR DAS LEBEN möchte sich an der Suche danach beteiligen.
 
Seit der Wende in der damaligen Tschechoslowakei haben sich die zwischenkirchlichen Kontakte vertieft. Die Begegnungen und gemeinsamen Wege mit Frauen aus Prag bei uns und in der Tschechischen Republik betrachten wir als Beitrag für das Zusammenwachsen der Menschen im gemeinsamen Europa.
 

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit. 2. Tim 1,7

Weitere Infos finden Sie auch hier:  www.frauengeschichte-baden.de/unterwegs-fuer-den-frieden

 

30 Jahre "Unterwegs für das Leben" - 2013

Immer wieder begegnen die „Unterwegsfrauen“ der erstaunten Frage: „Unterwegs für das Leben gibt es immer noch?“ Ja, es gibt uns noch!

„Unterwegs für das Leben“, 1983 in der Zeit der Friedenbewegung entstanden, ist eine der wenigen Friedensgruppen, die noch immer aktiv sind. Manches hat sich in den vergangenen 30 Jahren geändert; aber die Frage, was für den Erhalt des Friedens getan werden kann und muss, ist geblieben.
 
1983 waren die Menschen beunruhigt und fühlten sich von der geplanten Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen bedroht. Sie suchten nach Möglichkeiten, ihrer Angst und ihrem Widerstand Ausdruck zu verleihen. 1983 war der Predigttext des Frauensonntags die „Auferweckung des Jünglings von Nain“. Frauen aus dem Kirchenbezirk Mosbach um Rosemarie Schmidt spürten aus diesem Text heraus den Auftrag, sich den Zügen des Todes und der Resignation entgegenzustellen. Sie schrieben einen Brief an die Verhandlungspartner in Genf und baten, mit dem Wettrüsten aufzuhören und zu bedenken, dass die schrecklichen Waffen nicht nur militärische Ziele bedrohen, sondern auch die Zivilbevölkerung, auch die eigenen Kinder und Enkel. Um dem Brief Nachdruck zu verleihen, wurde er drei Wochen zu Fuß von Gemeinde zu Gemeinde getragen und Unterschriften gesammelt. In Genf konnten schließlich 46.000 Unterschriften übergeben werden. Aber dort wurde uns auch gesagt: „Warum kommt ihr nach Genf? Geht zu euren Politikern nach Bonn, die haben die Stationierung beschlossen.“
 
So kam es, dass sich ab 1984 Jahr für Jahr Frauen zu Fuß auf den Weg nach Bonn machten, um mit politischen Verantwortungsträgern zu sprechen und sie immer wieder nach ihrem Einsatz für den Frieden zu fragen. Auf den Pilgerwegen den Rhein entlang durch viele Gemeinden suchten wir das Gespräch mit Kraftwerksbetreibern, Rüstungs- und Chemiefirmen, mit Vertretern von Katastrophenschutz und der Bundeswehr. Bibeltexte begleiteten unseren Weg und ermutigten uns, immer wieder unbequeme Fragen an die politischen Verantwortungsträgern zu stellen.
 
Ende der 80er Jahre schlossen sich uns Frauen aus Hessen an. Ein besonderes Geschenk und Zeichen der Versöhnung ist für uns, dass seit 1990 Frauen aus Prag mit uns Jahr für Jahr unterwegs sind, hier in der Bundesrepublik Deutschland und fünfmal in Tschechien. Wichtig war immer, uns gegenseitig wahrzunehmen und uns unsere Lebensgeschichte zu erzählen. „Respekt und Versöhnung“ nannten wir unseren gemeinsamen Workshop auf den Kirchentag in Stuttgart 1999.
 
Der Umzug der Bundesregierung nach Berlin stellte uns vor neue Herausforderungen: „Wie können Wege nach Berlin gegangen werden?“ – Wir wagten es. Mit der Unterstützung von Frauen aus Berlin-Brandenburg gab es zweimal Wege durch die Brandenburg. Aber die durch die dünne Besiedelung großen Entfernungen und die nicht vorhandenen volkskirchlichen Strukturen zwangen uns zu neuen Formen. Nun sind wir jedes Jahr in einer Gemeinde in den neuen Bundesländern für eine Woche zu Gast, um dort und in der Umgebung „unterwegs zu sein“, um zu hören, was die Menschen dort bewegt und uns auszutauschen. Arbeits- und Perspektivlosigkeit, der Wegzug junger Menschen, Umweltzerstörung u.v.a. belasten die Menschen. Potsdam, Erfurt, Stendal, Frankfurt/Oder, Forst/Neiße, Johanngeorgenstadt im Erzgebirge, Halle, Lutherstadt Wittenberg, Rostock, Magdeburg, Dresden und in diesem Jahr Eisenach waren bzw. sind für eine Woche unser Quartier.
 

In Berlin finden daran anschließend jeweils vier Tage lang Gespräche mit Abgeordneten aller Parteien und auch mit Ministerinnen und Ministern statt. War es 1983 die Frage der Nachrüstung, die uns aufbrechen ließ, so sind es heute die Themen Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung. Das Ringen um Lösungen für die Überlebensfragen ist schwieriger geworden. Die Antworten sind nicht mehr so einfach wie 1983, aber es bleibt trotzdem die Aufgabe, sich diesen Themen immer wieder neu zu stellen und sie zu bedenken. Oft wurden wir gefragt „Was habt ihr erreicht?“ Wir wissen es nicht. Aber viele der von uns angesprochenen Probleme sind inzwischen von der Politik aufgenommen worden: alternative Energiepolitik, zivile Friedensdienste, alternative Konfliktlösung, Rüstungskonversion, Umweltschutz, Bleiberechtsregelungen u.a.m.

Aline Jung
 
 
 

Unterwegs für das Leben

Auch der längste Weg auf dieser Erde beginnt mit dem ersten Schritt...
Quelle: Evangelische Frauen in Baden

Unterwegs für das Leben...

ist eine Bewegung, getragen von Frauen aus unterschiedlichen Kirchen und Konfessionen, die über konfessionelle und parteipolitische Grenzen hinweg für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eintreten.
 
Unser Selbstverständnis lesen sie im Flyer, den Sie downloaden können:

Kontakt

Quelle: Renate Sternagel, Berlin
J.-B.-Ferdinand-Straße 15
77955 Ettenheim
Fon 07822 8254
E-Mail aline[dot]jung[at]freenet[dot]de

und
Carlo-Mierendorff-Straße 34
68623 Lampertheim
Fon 06241 80678

E-Mail christel[dot]lottermann[at]web[dot]de