Ewigkeitssonntag

Quelle: Max Wejwer
"Macht Euch bereit zu der Hochzeit...
               ... ihr müsset ihm entgegengehn!"

- so dichtete Philipp Nicolai 1599 im wohl bekanntesten Lied zum Ewigkeitssonntag (EG 147). Dieser evangelische Feiertag schließt die drei letzten Sonntage des Kirchenjahres ab, die sich mit den "letzten Dingen": Tod, Gericht und Ewiges Leben beschäftigen.


Zur Geschichte des "Ewigkeitssonntags"
Hervorgegangen ist dieser Tag aus Luthers Ablehnung des Allerseelentages, an dem für die Verstorbenen in verschiedenen Gottesdiensten gebetet wurde. Luther lehnte dabei nicht das Gebet für die Toten oder ein liebevolles Gedenken an sie ab, sondern seine Kritik richtete sich gegen den Gedanken, dass allein die Feier eines solchen Allerseelengottesdienstes den Toten heilsbringend zugute kommen sollte.

Bereits 1556 findet der "Ewigkeitssonntag", allerdings unter der Bezeichnung "Fest des jüngsten Tages" Einzug in der Waldecker Kirchenordnung.

Im 17. Jahrhundert hatten die Bestattungen in den Städten einen solch großen Raum eingenommen, dass sie daraufhin aus dem öffentlichen Leben verbannt wurden - und eine Beerdigungspraxis ohne einen gottesdienstlichen Charakter von Predigt und Gebet Einzug hielt.

Auf Dauer zeigte sich aber, dass damit dem Menschen und seinem Bedürfnis nach Trauer, einem würdigen Abschiednehmen und nach Trost nicht Genüge getan wurde.
So ordnete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen im Jahr 1816 an, den letzten Sonntag des Kirchenjahres als "allgemeines Fest zur Erinnerung an die Verstorbenen" zu feiern. Die anderen Landeskirchen schlossen sich diesem Erlass an. Schnell bürgerte sich der Name "Totensonntag" ein.

In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Name "Totensonntag" von den Evangelischen Kirchen umbenannt in  "Ewigkeitssonntag".


"Ewigkeitssonntag" oder "Totensonntag"?
Mit der Namensänderung verband sich die Hoffnung, dass sich der Blick der Menschen nicht allein auf den Tod und das Ende des irdischen Lebens richtet, sondern darüber hinaus auf Christus, der den Tod überwunden hat und das Ewige Leben schenkt. So bedeutet der Tod zwar auch im Glauben der Christinnen und Christen eine schmerzliche Trennung, er gilt aber als Übergang zu einem neuen Leben in der Ewigkeit, wo Christus sie erwartet.
So erinnert der Ewigkeitssonntag an die Menschen, die wir an den Tod verloren haben - und deutet gleichzeitig auf Jesus Christus.

Im biblischen Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen (Matthäus 25,1-13) wird der Tag der hereinbrechenden Ewigkeit als Hochzeitstag und Christus als Bräutigam beschrieben, der seine Gäste erwartet. Dieses Bild greift Philipp Nicolai mit seinem Lied auf: "Macht euch bereit zu der Hochzeit! Ihr müsset ihm entgegen gehn." - Ein schönes Bild, um zu verdeutlichen, was christliche Hoffnung nach dem Tod ist : ein Leben aus und in Liebe.

Für die Menschen, die einen nahestehenden Menschen hergeben müssen und deren Leben zunächst in Trauer und Dunkelheit versinkt, kann diese Vorstellung vielleicht nach und nach zu einem Trost werden.

In vielen Gemeinden werden die Angehörigen der Verstorbenen des letzten Jahres eingeladen und ihrer im Gottesdienst besonders gedacht. Viele Menschen schmücken an diesen Tag die Gräber und lassen ihre Gedanken zu schönen und gemeinsamen Erlebnissen wandern.


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