Evangelische Kirchen

Bild: Bildcollage aus Lutherrose rechts, in der Mitte weißes Beffchen auf schwarzem Grund und links Logo der Reformierten Kirche; Quelle: Logos der lutherischen und Reformierten Kirche/Beffchen-EKD
 

Die Lutherische Kirche

Von Deutschland ausgehend verbreitete sich das Luthertum vor allem nach Nordeuropa, während es sich im Osten und Süden gegen den Katholizismus und Calvinismus langfristig nicht durchsetzen konnte.

Außerhalb Deutschlands und den skandinavischen Staaten blieben die lutherischen Kirchen Minderheitskirchen. Im 19. Jahrhundert bildete sich im Zuge der Auswanderung ein weiterer Schwerpunkt des Luthertums im Nordamerika.

Der Westfälische Friede 1648 schrieb die konfessionelle Teilung Deutschlands fest. In der Folge entwickelten sich die deutschen Staaten zu konfessionell geschlossenen Territorien. Nord-, Mittel- und Ostdeutschland waren bis auf einige calvinistische Gebiete und Stadtgemeinden (Erfurt) lutherisch. Abgesehen von Württemberg und Hessen-Darmstadt und einigen Städten und unbedeutenden Fürstentümern waren die Lutheraner in Süddeutschland in der Minderheit.

Die Evang.-Reformierte Kirche

Die evangelisch-reformierten Kirchen verstehen sich als nach „Gottes Wort reformiert“.

„Calvinistisch“ – nach dem neben Martin Luther wirkungsvollsten Reformator Johannes Calvin – ist keine offizielle Selbstbezeichnung. Zahlreiche reformierte Denominationen nennen sich „presbyterianisch“. Damit ist das Element der Kirchenverfassung angedeutet, das den reformierten Kirchen wichtig ist: Das Presbyterium, der gewählte Ältestenkreis, der Kirchengemeinderat, leitet die Gemeinde. Mehrere Gemeinden schließen sich zu einem Presbyterium auf Bezirksebene zusammen, mehrer Bezirke zu einer Synode auf Landesebene. Das Laienelement ist stark betont, etwa in der von Calvin in Genf eingeführten Ämterordnung mit Pastoren, Doktoren (Lehrern), Presbytern (Kirchenvorständen) und Diakonen.

Zum reformierten Protestantismus gehören auch die Kirchen, deren Verfassung kongregationalistisch ist. Bei ihnen ist also die Autonomie, die Selbständigkeit der einzelnen Gemeinde (der congregatio) noch stärker ausgeprägt. Die „kongregationalistischen“ Kirchen haben sich in den letzten Jahren oft mit anderen reformierten Kirchen zusammengeschlossen. Ihr Weltbund hat sich 1970 mit dem Reformierten Weltbund vereinigt.

Erster Reformator der nach 1520 verselbständigten reformierten Kirchen ist Huldrych Zwingli in Zürich gewesen.  Aber erst durch die Reformation Calvins in Genf ab 1536 konnte sich die reformierte Kirche weit über die Schweiz hinaus ausdehnen. Der gebürtige Franzose Calvin förderte durch seine Korrespondenz und durch Reisen von Mitarbeitern den Protestantismus in ganz Europa.

Die Unierte Kirche

Unierte Kirchen heißen diejenigen evangelischen Kirchen in Deutschland, die infolge der von staatlicher Seite betriebenen Unionen zwischen Lutheranern und Reformierten im 19. Jahrhundert in konfessionell gemischten Territorien entstanden sind.
Die 1806 entstandenen territorial abgerundeten Mittelstaaten mit konfessionell gemischter Bevölkerung stellten den konfessionell geschlossenen Territorialstaat in Frage. Von daher sind die Unionsbemühungen des 19. Jahrhunderts (Preußen und Baden) zu verstehen, Lutheraner und Reformierte in einer Landeskirche zu vereinen. Die Unionsbestrebungen riefen nicht nur den Protest des konfessionellen Luthertums hervor, sondern führten auch zur Abspaltung der Altlutheraner und zu einem neuen Kirchentyp: den unierten Kirchen. Auch wenn damals noch keine wirkliche Verständigung zwischen Lutheranern und Reformierten erreicht werden konnte, so sind die unierten Kirchen dennoch als eine der Vorstufen der ökumenischen Einheitsbestrebungen zu werten, die dann in unserem Jahrhundert zur Leuenberger Konkordiegeführt haben.  

Die unierten Kirchen der ehemaligen preußischen Provinzen bildeten 1922 die „Evangelische Kirche der Union“ (EKU), einen von der Zielsetzung ähnlichen Zusammenschluss der nördlichen und östlichen unierten Kirchen, bis 1991 auch in zwei Landesteilen (DDR).

Eine lose Arbeitsgemeinschaft unterschiedlicher Landeskirchen bildete die „Arnoldshainer Konferenz“, die 1967 gegründet wurde und damals die Kirchen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nicht einbeziehen konnte. Die AKf diente dem Ziel, die Übereinstimmung in den wesentlichen Bereichen des kirchlichen Lebens und Handelns zu stärken.

AKf und EKU bildeten 2003 die „Union evangelischer Kirchen“ (UEK) mit dem erklärten Ziel, sich letztlich in die EKD hinein aufzulösen.
Innerhalb der EKD besteht zwischen allen Gliedkirchen Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft, allerdings erst seit 1973, als mit der Leuenberger Konkordie eine gemeinsame Basis der europäischen evangelischen Kirchen geschaffen worden ist. In dieser Lehrschrift erklärten die lutherischen, reformierten und unierten Kirchen Europas (Ausnahmen: die lutherischen Kirchen der skandinavischen Länder) sowie die vorreformatorischen Kirchen der Waldenser und der Böhmischen Brüder gegenseitig Kirchengemeinschaft.

Die Bekenntnisbestimmtheit liegt bei den Gemeinden, so dass diese je nach ihrer konfessionellen Herkunft stärker lutherisch oder reformiert orientiert sind, doch gelten Lehrunterschiede nicht als kirchentrennend.

Unierte Kirchen entstanden vor allem in den Preußischen Provinzen, aber auch in kleineren Territorien (Baden, Nassau). Heute gibt es 12 unierte Kirchen (wenn auch mit vielen historischen Unterschieden), die alle zur EKD gehören.

Weitere konfessionelle Zusammenschlüsse in der EKD und Freikirchen

Innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland gibt es eine Reihe weiterer konfessioneller Zusammenschlüsse,
die hier nur kurz erwähnt werden, zu denen Sie im Download des gesamten Textes allerdings weitere Informationen finden. Dazu gehören:

~ die Gemeinschaftsbewegungen innerhalb der Landeskirchen
~ Charismatische Gruppen
~ Hochkirchliche Gruppen und Kommunitäten

Obwohl die Freikirchen einen bestimmten Typ von Kirche darstellen, ist es ein Wagnis, ihre Vielfalt auf einen Nenner bringen zu wollen. Jede einzelne ist in einer bestimmten geschichtlichen Situation entstanden und von dieser geprägt, auch von ihren Gründerpersönlichkeiten und ihrem Gegenüber.

Die Freikirchen wenden sich dezidiert gegen das volkskirchliche Prinzip, nach dem unterschiedslos durch die Taufe der Säuglinge Menschen ohne eigene Entscheidungsmöglichkeit in die Kirchenzugehörigkeit geführt werden. Die persönliche, bewusste und freiwillige Entscheidung für Jesus Christus als den Retter und Heiland ist die absolute Bedingung für die Aufnahme in die Mitgliedschaft einer Freikirche. Sie wollen im Rückgriff auf die neutestamentliche Tradition Gemeinden wahrhaft Glaubender sein und tolerieren keine Namenchristen in ihren Reihen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass einige Freikirchen die Säuglingstaufe verwehren (Baptisten) und nur gläubige Erwachsene taufen oder sogar wiedertaufen.