Erntedank

"Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn..."

Quelle: Daniel Barth, Oberjesingen

Matthias Claudius fasst in seinem Lied "Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land" (Evangelisches Gesangbuch, 508) zusammen, was Christen an diesem Sonntag feiern. Am Erntedanktag blicken sie auf die Ernte des Jahres zurück und danken Gott, dass er der Arbeit ihrer Hände Segen und Gedeihen geschenkt hat.
Erntedankfeste gab es bereits in der Antike und in anderen Religionen. Im europäischen Mittelalters etablierten sich in den Gottesdiensten zum Ende der Erntezeit Predigten mit einem ausdrücklichen Dankcharakter - für reiche Ernten. Allerdings entwickelten sich ebenso Bußgottesdienste in Jahren, in denen die Ernte sehr mager ausgefallen ist.
1773 erließ der preußische König Friedrich II. einen Erlass, in dem der Erntedanktag als offizielles Fest eingeführt und auf den 1. Sonntag nach Michaeli (29.09) festgelegt wurde. Im 21. Jahrhundert haben sich die katholische und die evangelischen Kirchen in Deutschland auf den ersten Sonntag im Oktober als Datum für den Erntedanktag verständigt. Es gibt Gemeinden, die ihren Erntedanktag auch früher oder später feiern - je nach den örtlichen Erntegegebenheiten; so wird in manchen Weinbauorten das Fest erst im November begangen.

Erntedank - ein Tag zum Innehalten und Danken
Viele evangelische Kirchen erstrahlen an diesem Tag im bunten Schmuck von der Pracht der Gärten und Felder: Korngarben, Weintrauben, Obst in Hülle und Fülle, Brote, Säfte... werden im Altarraum aufgestellt. Diese zeigen Gottes Güte, der die Menschen mit so Vielem beschenkt - und regen die Menschen zum Danken an. Der Dank bezieht sich in den Gottesdiensten des Erntedanktages nicht nur auf das "tägliche Brot", sondern auf alles, womit Gott unser Leben reich macht: den Arbeitsplatz, die Menschen um uns herum, kleine und große Erfolge und geschenktes Glück.
Er übt ein in eine Haltung der Dankbarkeit und des Respekts auch gegenüber den Menschen, die mit ihrer Arbeit zu unserem Leben beitragen. Mit der Kollekte, die an diesem Sonntag für die Hungernden in der Welt bestimmt ist, übt der Erntedanktag auch ein in eine Haltung der Solidarität und des Teilens.

Der Erntedanktag kann so zu einem Tag werden, an dem der Mensch innehält und ein besonderes Augenmerk auf das legen kann, was ihm - einfach so und ohne eigenen Verdienst - geschenkt wird: von anderen Menschen und von Gott; und sich Zeit nehmen kann, diesem Tag Ausdruck zu verleihen: durch ein Gebet, durch ein Loblied, durch einen Brief...

Die Kollekte an diesem Sonntag ist bestimmt für die Hungernden in der Welt.


Lesen Sie dazu auch:

 
Vorschläge zur Gottesdienstgestaltung im Kirchenjahr

Predigtanregungen, Gebete, Buchvorschläge etc. finden Sie auf der Internetseite www.daskirchenjahr.de

Das Kirchenjahr und die alten Kirchenbücher

Hilfe und Erklärungen für die Suche in alten Kirchenbüchern und der dortigen Zählung der Kirchenjahresdaten bietet die Seite: http://wiki-de.genealogy.net/Kirchenjahr