Was ist Gebet?

Das Gebet gehört zu den grundlegenden menschlichen Lebensäußerungen in fast allen Kulturen und Religionen.

Bild: Skulptur aus Holt mit geschnitzter Beterin aus der Reihe "Augenpredigt" von Andrea Diederich; Quelle: Sklulptur von Andrea Diederich - Fotografiert Annette Wohlfeil
Skulptur aus der Reihe "Augenpredigt" von Andrea Diederich
Auch Meditation und Rezitation, wie sie im Buddhismus geübt werden, können als Gebet bezeichnet werden. Dass nicht gebetet wird, ist eher ein neuzeitliches und europäisches Phänomen, doch wird hier mehr gebetet als es den Anschein hat, auch von Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören. Ich erfahre das immer wieder in der Klinikseelsorge.

 "... der Schrei des Säuglings nach der Brust der Mutter (...) in dem beides sich ausdrückt: die Sehnsucht nach Lebensmitteln und, untrennbar damit verbunden, die Sehnsucht nach Beziehung."

Woher kommt es, dass Menschen beten? Am Anfang könnte der Schrei des Säuglings nach der Brust der Mutter gestanden haben, in dem beides sich ausdrückt, die Sehnsucht nach Lebensmitteln und, untrennbar damit verbunden, die Sehnsucht nach Beziehung. Im Beten wird das Verlangen nach Nahrung, Nähe und Bewahrung transzendiert. Dem entspricht Luthers Aussage im Großen Katechismus: „Ein Gott heißet das, dazu man sich versehen soll alles Guten und Zuflucht haben in allen Nöten.“ Der Anstoß zum Beten kann auch aus einer Transzendenzerfahrung kommen, bei der sich Menschen als berührt, beglückt, erschüttert, verstört erleben. Sie reagieren darauf in Worten oder auch in Handlungen und Zeichen.


"Beten ist ein Geschehen zwischen einem Einzelnen oder einer Gemeinschaft und dem göttlichen Du."

Gebet und Gottesbild stehen in enger Beziehung zueinander. Wie über Gott oder das Göttliche gedacht oder wie die Gottheit erfahren wird, entscheidet über die Auffassung vom Beten. Für mich ist Beten "In-Beziehung-treten", sich einer Wirklichkeit öffnen und überlassen, die einen umgibt und erfüllt, auf ein Wort antworten, das schon gesprochen ist. Beten ist ein Geschehen zwischen einem Einzelnen oder einer Gemeinschaft und dem göttlichen Du. Das schließt die Übung des Nachdenkens und der Besinnung, des konzentrierten und wachen "Bei-sich-selbst-seins" nicht aus. Menschen erleben in der Tiefe des Selbst Selbsttranszendierung und darin Gotteserfahrung.


"In den Psalmen stimmen Christinnen und Christen in das Beten Jesu mit ein."

Der Thenach der jüdischen Gemeinde, das was wir herkömmlich das Alte Testament nennen, wurde auch den Christen zur Heiligen Schrift, mit der gebetet wurde, insbesondere mit den Psalmen. Aus ihrer Sprache vor allem wuchs die Gebetssprache der Christen. Christliches Beten wurde Anrede dessen, zu dem Israel immer wieder sagte: „Du bist mein Gott“ (Psalm 31,15). In den Psalmen stimmen Christinnen und Christen in das Beten Jesu mit ein. Wenn die Kirche das Psalmengebet abschließt mit dem „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar, und von Ewigkeit zu Ewigkeit“, empfängt sie die Psalmen durch den Sohn im Heiligen Geist als ihre eigenen Gebete. Der Heilige Geist hilft dem schwachen und fehlbaren Beten zurecht, er selbst betet in den Betenden, verleiht ihrem Gebet Lebendigkeit und Kraft (Römer 8,26).


"Wenn wir das Vaterunser beten, stellen wir uns hinein in den Horizont des Vertrauens zum Vater und der Hoffnung auf Gottes Reich."

Das Gebet Jesu, das Vaterunser (Matthäus 6,9-13), Urgebet der Christenheit, schöpft aus der jüdischen Tradition. Die Christenheit spricht es mit Jesus und in seinem Namen zu dem Gott, der sein Vater und unser Vater ist. Wenn wir es beten, stellen wir uns hinein in den Horizont des Vertrauens zum Vater und der Hoffnung auf Gottes Reich. Die Anliegen des täglichen Brots, der Vergebung der Schuld, der Versuchung und des Bösen sind dem zugeordnet. Vertraute Gebete wie das Vaterunser und der 23. Psalm helfen Menschen, sich in die Gegenwart Gottes hineinzubergen.

 
Beten kann man lernen

Die Bibel stellt uns Gott als einen lebendigen, persönlichen Gott vor. Er sucht die Verbindung mit den Menschen. Im Gebet erlaubt er uns, sich ihm zu öffnen, mit ihm zu reden. Dabei sieht er „in unser Herz“. Er weiß, was hinter den Worten steht. Deshalb können wir mit ihm reden, wie es uns ums Herz ist.

Gebetsportal

Die Seite www.wie-kann-ich-beten.de wird von der Evangelischen Radio- und Fernsehkirche im NDR (ERR), dem Katholischen Rundfunkreferat im NDR (KRR) und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover (EVLKA) betrieben.

Die großen Gebetsgebärden

„Körper und Seele sind eine Einheit. Darum muss der Christ ganzheitlich beten lernen.“ Ein Beitrag zu ganzheitlichem Beten ist die so genannte Große Gebetsgebärde. Hier finden Sie Gedanken und Anregungen zu den großen Gebetsgebärden.