Sich auf den Weg machen: Von Leitbildern zu Zielen, von Zielen zum Handeln.

Quelle: Petra Lehmann

Am Beispiel einer Gemeinde soll der Kreislauf zielorientierter Planung vorgestellt werden. Alle Schritte lassen sich leicht auf Kirchenbezirke oder kirchliche Einrichtungen übertragen. Sie sind auch sinnvoller Bestandteil von Visitationen in Gemeinden und Kirchenbezirken.

 
 
 

Anregungen für die Praxis - fünf Schritte zur zielorientierten Planung

Quelle: ekiba/Kirchenkompass
Die fünf Perspektiven des Kirchenkompasses helfen
Quelle: ekiba
bei der Situationsanalyse und der Planung der nächsten Schritte.

Die einzelnen Schritte des Kirchenkompasses dienen der zielorientierten Planung.


Anmerkung: zur Vergrößerung der Darstellungen klicken Sie bitte auf das kleine Kreuz rechts unten im Bild.

 
Quelle: ekiba / kirchenkompass
1. Schritt: Wir verständigen uns über unseren Auftrag.

Wir fragen nach dem Auftrag und der Verheißung, die wir zur Zeit an diesem Ort haben und entwickeln ein tragfähiges Zukunftsbild für unsere Gemeinde. Welche Bilder, Worte oder Geschichten aus der Bibel helfen, unser Zukunftsbild in Worte zu fassen? Sind es die Leitbilder für die Landeskirche? Sind es andere biblische Motive?
Wir können uns fragen: „Wo sind wir ein Haus aus lebendigen Steinen, in dem sich Menschen zu Hause fühlen?“ Oder: „Wo merkt man, dass unsere Gemeinde Salz der Erde ist?“ Wir können über die Frage nachdenken:
„Angenommen, Paulus würde heute unsere Gemeinde besuchen, was würde er uns ans Herz legen?“ Oder: „Wie könnte unsere Gemeinde in zehn Jahren aussehen, damit ich im Freundeskreis stolz von ihr erzählen kann?“
Solche Fragen helfen, gemeinsam – nicht einsam! – eine Perspektive zu entwickeln und den Planungen eine Richtung zu geben.

Quelle: ekiba / Kirchenkompass
2. Schritt: Wir nehmen die Situation der Gemeinde wahr.

Wo stehen wir jetzt? Was sind die Stärken und was sind die Schwächen unserer Gemeinde – aus theologischer Sicht? Oder aus der Sicht der Mitarbeitenden? In welchen Bereichen engagieren sich viele Ehrenamtliche gern, in welchen nicht? Was sind die Stärken und Schwächen unserer Gemeinde aus der Sicht der Gemeindeglieder, aus der Sicht der Ausgetretenen oder aus der Sicht der Neuzugezogenen? In welche Gottesdienste und Gemeindegruppen kommen Menschen gern und in welchen bleibt man unter sich? In welchen Bereichen können und wollen wir uns weiterentwickeln? Was können wir tun, um unsere Zusammenarbeit zu verbessern? Wo liegen die Stärken und die Schwächen in finanzieller Hinsicht? Wie steht es um die Gebäude und den Haushalt?

Quelle: ekiba / Kirchenkompass
3. Schritt: Wir entwickeln Ziele für die Gemeindearbeit

Wir haben ein Zukunftsbild (ein Gemeindeleitbild oder Leitsätze). Es beschreibt, wo wir langfristig hin wollen. Doch da sind wir noch nicht. Wo wir stehen, haben wir in der Situationsanalyse beschrieben. Nun gilt es, gemeinsam die Ziele zu entwickeln, die uns von der jetzigen Situation der gewünschten zukünftigen Situation und damit unserem Gemeindeleitbild näher bringen. Es ist hilfreich, diese Ziele in kurzen Sätzen konkret zu beschreiben. Ein Beispiel: Junge Familien kommen zu unseren Gottesdiensten. Um ein gemeinsames Verständnis von diesem Ziel zu erreichen, fragen wir uns „Woran merken wir, dass dieses Ziel erreicht ist?“. Drei Erfolgskriterien nennen wir:

  • „Junge Familien sind deutlich sichtbar im Sonntagsgottesdienst“,
  • „Wir haben viele Kinder im Kindergottesdienst“,
  • „Wir feiern regelmäßig Familiengottesdienste“.

Die Ziele sollen die fünf Perspektiven berücksichtigen und schriftlich festgehalten werden.

Quelle: ekiba / kirchenkompass
4. Schritt: Wir planen Maßnahmen und Projekte und setzen sie um

Die Ziele werden in kleinen Schritten umgesetzt. Wir nennen sie „Projekte und Maßnahmen“. In einer schriftlichen Übersicht halten wir fest, welche Projekte und Maßnahmen von wem in welchem Zeitraum umgesetzt werden.

Ziel:
Beispiel: „Junge Familien kommen zu unseren Gottesdiensten.“

Projekt1
Einen Familiengottesdienst mit dem städtischen Kindergarten feiern.

Maßnahmen:

  • Kontakt aufnehmen:
    Verantwortlich: Pfarrerin
  • Gottesdienstplanung:
    Verantwortlich: KindergottesdienstTeam.
  • Handzettel entwerfen:
    Verantwortlich: Max Möglich…

So weiß jede und jeder, was er oder sie für welches Ziel zu tun hat und was die anderen zu welchem Ziel beitragen.

5. Schritt: Wir ziehen eine Zwischenbilanz und korrigieren den Kurs

Der Ältestenkreis oder Kirchengemeinderat zieht regelmäßig Bilanz: Was wurde von den beschlossenen Maßnahmen schon umgesetzt? Welche Schritte haben sich bewährt? Wo gab es Schwierigkeiten und weshalb? Wenn so die einzelnen Schritte ausgewertet werden, ist es viel leichter, die langfristigen Ziele im Blick zu behalten und bei Bedarf den Kurs zu korrigieren. Wenn Ziele zu unrealistisch waren, können sie nach einer solchen Auswertung abgeändert werden. Es kann nötig sein, die geplanten Maßnahmen zu verwerfen oder zu ergänzen. Auch die langfristigen Ziele sollten regelmäßig gemeinsam überdacht werden. Nehmen Sie sich die Zeit für eine solche Zwischenbilanz, bevor Sie aufgrund der Wahrnehmung der geänderten Situation auch das Leitbild der Gemeinde erneut bedenken. Dann beginnt der Regelkreis zielorientierter Planung von Neuem.

Am Projekt Kirchenkompass für Gemeinden und Bezirke haben mehr als 120 Gemeinden der evangelischen Landeskirche in Baden teilgenommen.
Lesen Sie hier den Abschlussbericht der Evaluation, durchgeführt von Prof. Klie, Evangelische Hochschule in Freiburg.
 
 
Ansprechpartner

Pfr. Alexander Herzfeld
EOK - Referat 1
Blumenstraße 1-7
76133 Karlsruhe
 
Tel.: 0721 9175-116

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